Barfuß in den Sommer – oder doch eher mit einem Hufbeschlag? Hierzu ein paar Gedanken von Tierarzt Dr. Eberhard Reininger
Ich bin jemand, der in der Vergangenheit sehr viel mit Hufbeschlägen experimentiert hat. Seit längerer Zeit laufen alle unsere Pferde ausnahmslos und sehr erfolgreich auf Kunststoff. Mittlerweile gibt es sogar Kunststoffvarianten, die nicht einmal mehr genagelt werden müssen. Viele der auf dem Markt befindlichen Kunststoffbeschläge versuchen den Härtegrad der Hornkapsel zu imitieren. Das soll dem Beschlag ermöglichen sich der Bewegung der Hornkapsel anzupassen und damit nicht gegen den normalen Mechanismus des Hufes zu arbeiten, wie dies zum Beispiel ein starrer Stahlbeschlag macht. Und trotzdem stellt jede Form eines Beschlags einen Eingriff in das hochsensibles Organ “Huf” dar. Eine interessante, zugegeben hypothetische Frage ist, wie ein Hufschutz aussehen würde, wenn wir heute im Jahre 2012 das Pferd als Reittier entdecken würden.
Wer glaubt, dass man einen starren Eisenbeschlag nageln würde? Wir fliegen immerhin zum Mond, Autos werden aus Carbon und Aluminium gebaut, Turnschuhe werden immer leichter und passen sich dem Barfusslaufen an. Sicherlich würde man alles probieren und am Wenigsten auf ein klassisches Hufeisen kommen. Ein Gedanke, der mich wieder zum Thema Barfußlaufen zurückbringt…
Es gibt viele Gründe auch Sportpferde immer wieder mal barfuß laufen zu lassen. Ein hoch interessanter Aspekt sind die Kosten. Gerade bei Sportpferden verschlingt der Hufbeschlag schon immense Kosten. Sprich, wenn man 3 Monate im Jahr auf Beschlag verzichten kann, ist das durchaus interessant. Aber das ist nicht der eigentliche Grund, warum ich das schon seit etlichen Jahren praktiziere. Vielmehr geht es darum, der Kapsel eine Erholung zu gönnen. Das Ergebnis ist unglaublich. Die Hornkapsel zeigt gegen Ende der Barfußzeit, wie sie sich zum Positiven regeneriert. Sicherlich braucht man am Anfang auch Geduld. Denn es fällt den Pferden schon sehr schwer, sich auf das Barfusslaufen umzustellen. Häufig ist es auch so, dass mit Stahl beschlagene Pferde damit überhaupt nicht klar kommen. Damit haben wir aber dank der Tatsache, dass unsere Pferde konstant auf Kunststoff laufen, überhaupt keine Probleme. Sicher ist das in Sportställen, die 12 Monate im Jahr auf Turnieren unterwegs sind, nicht praktikabel. Denn zum Springen und auch in der Dressur kann mit einem geeigneten Beschlag noch das ein oder andere mehr an Potential ausgeschöpft werden. Zudem stellt der Hufbeschlag auch eine orthopädische Hilfe dar. Da wir aber eine ausgeprägte Turnierpause für unsere Pferde – aber auch für uns – brauchen, bietet sich das hervorragend an und kann nur empfohlen werden.
Was für Sportpferde gut und richtig ist, ist auf jeden Fall für Freizeitpferde mehr als angebracht. Wer sein Pferd bei der Barfuss-Umstellung unterstützen möchte, sollte ein gutes Huf-Zusatzfutter kaufen. Dieses sollte insbesondere Kieselgur, Biotin und andere Mineralien enthalten, denn dann wird das Hufwachstum angeregt. Übrigens – wer plant die Pferde barfuss laufen zu lassen, sollte sehr frühzeitig (6-12 Monate vorher), mit der Zugabe von Huf-Zusatzfutter beginnen. Denn das Hufwachstum ist ja bekanntlich sehr langsam, und auch eine Kräftigung dauert ihre Zeit.

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